Abschlußerklärung der Aktion „Wartegleis für den Castor“


Pressemitteilung der Aktion „Wartegleis für den Castor“, 16.02.2011

Am Mittwoch, den 16. 02. 2011, fuhr ein Castor-Transport aus der Wiederaufbereitungs-anlage Karlsruhe mit dem Ziel Zwischenlager Nord bei Lubmin auch durch Thüringen. Hier hatten sich Aktivist_innen in der Aktion „Wartegleis für den Castor“ zusammengeschlossen um gegen den Transport der „Plutonium-Uran-Suppe“ und die immer noch ungeklärte Endlagerung zu demonstrieren. Ziel dieser Aktion ist es durch das Schwenken von Transparenten und Fahnen den Zug zum stoppen zu bringen. Dabei gehen die Aktivist_innen nicht auf die Gleise, sondern treten nur an diese heran. „Wenn wir Castor-Transporte stören, behindern wir auch die weitere Produktion von Müll in den Atomanlagen“, erklärt Karola Stumpf, eine Sprecherin der Aktion „Wartegleis“, „des Weiteren werden hierbei die Kosten der Transporte in die Höhe getrieben, so dass ein realistischeres Bild des Preises zur Herstellung von Atomenergie entsteht, die bisher durch Kostenübernahmen durch den Staat indirekt subventioniert wird“.

In vielen Orten entlang der Strecke versuchten autonome Kleingruppen unter anderem in den Orten Leina, Gotha, Apfelstädt, Ingersleben, Bischleben, Erfurt, Güterverkehrs-zentrum Vieselbach, Weimar und Oßmannstedt die Gleise zu erreichen. Bei Gotha, in der Ortschaft Leina, gelang es 12 Aktivist_innen den Zug für etwa 5 Minuten zu stoppen. Dies war Aufgrund der hohen Polizeipräsenz jedoch nicht allen Gruppen ohne weiteres möglich. Viele Aktivist_innen taten dann aber in unmittelbarer Nähe der Gleise mit Transparenten ihren Protest kund. An mehreren Stellen in Thüringen fanden zudem Mahnwachen statt, so in Ingersleben, Erfurt, Weimar und Apolda. „Nach dem Castor-Transport im Dezember 2010 hat es die Aktion „Wartegleis für den Castor“ heute wieder geschafft den Zug in Thüringen zum stehen zu bringen“, resümiert Stumpf abschließend, „dieses Mal jedoch sind wir an weit mehr Stellen „An die Strecke!“ gekommen und sind der sichtlich überforderten Polizei weit mehr „Auf die Nerven!“ gegangen. Somit haben wir das uns selbst gesteckte Ziel durchaus erreicht.“

Mike Neubart, ein Aktivist der Aktion „Wartegleis“ erlebte das Vorgehen der Polizei als „unangemessen und völlig überzogen. Es wurden mehrere Grund- und Menschenrechte außer Kraft gesetzt, was auf einen unsicheren Umgang mit der Aktion seitens der Polizei schließen lässt.“ Er echauffiert sich, dass „Raucher_innen mit körperlicher Gewalt gedroht wurde, falls sie im Gewahrsam ihrem Laster frönen sollten (Begründung war eine Gefährdung der beteiligten Beamt_innen), die Verrichtung der Notdurft wurde untersagt und einzelne Polizist_innen äußerten sich belustigt über eine Person, die sie schockiert als „Mann mit lackierten Fingernägeln“ identifizierten.“ Fraglich sei das Vorgehen des Exekutivorgans des demokratischen Rechtsstaates bezüglich des Besuches eines potentiellen Aktivisten in der Privatwohnung am Vorabend, der aufgrund der Einschüchterung seine Teilnahme am legitimen Protest unterließ und andere ebenfalls dazu aufrief. Weiterhin wurden Protestler_innen an ihrem vom Grundgesetz festgelegten Recht auf freie Meinungsäußerung gehindert, indem sie auf einem Privatgrundstück davon abgehalten wurden, sich frei zu bewegen, ebenso wie ein Fotograf einer Presseagentur in Ingersleben an seiner Ausübung des Berufes behindert wurde.

„Unterm Strich lässt sich sagen, dass die Polizei der Lage nur Herr werden konnte, indem sie die Menschen, die von ihnen als störend empfunden werden in einem Freiluftgewahrsam festgehalten und ihnen Rechte entzogen werden“, stellt Karola Stumpf abschließend fest und führt weiterhin an, dass zwei Personen zur Identitätsfeststellung mit auf die Polizeiwache in Gotha genommen wurden.

Für Rückfragen: wartegleis@web.de
Weitere Informationen: wartegleis.blogsport.de, castorticker.de

---------------------------

Nachricht auf Radio F.R.E.I.

----------------------------

Nachrichten von junge welt Artikel1 und Artikel2

----------------------------

Nachricht auf subkontur

----------------------------

Nachricht von AFP

----------------------------

Nachricht von MVregio

----------------------------

Pressebericht auf Greenpeace-Homepage

----------------------------

Heute [09.02.2011] veröffentlichte Pressemitteilung

Aktion „Wartegleis“ kündigt Proteste an

„An die Strecke! Auf die Nerven!“ – so lautet das Motto der Aktion „Wartegleis – für den Castor“, welche beim anstehenden Atommülltransport von Karlsruhe in das Zwischenlager Nord bei Lubmin, wie schon bei dem letzten Castor-Transport im Dezember, stattfinden wird. Die Aktivist_innen erwarten die Durchfahrt des Zuges mit der „Atommülsuppe“ durch Thüringen am 16.02. zum späten Nachmittag. „Genau kann mensch nie sagen wann und wo der Transport fährt, da es von der Polizei unter die Geheimhaltung fällt – Thüringen liegt jedoch auf dem kürzesten Transportweg“, so Karola Stumpf, eine Sprecherin der Aktion.

„Wir wollen aus der Erfahrung vom letzten Mal, als es uns in Ingersleben mit 15 Aktivist_innen gelang, den Zug zum stehen zu bringen, in vielen kleinen Aktionsgruppen an vielen unterschiedlichen Streckenabschnitten an die Gleise und auf die Nerven gehen und den Zug mittels eines Lichtsignals und Warnwesten zum Anhalten bringen!“, erläutert der Protestler Mike Neubart das veränderte Konzept. So können die vielen Aktivist_innen, die bei der letzten Aktion mit etwa 80-100 Menschen teilnahmen, effektiver gegen den Transport demonstrieren. „Einen Erfolg hätten wir, wenn der Transport in Thüringen immer wieder zum stehen kommt – wenn auch nur kurz – und auf seiner gesamten Passage durch das Bundesland nur im Schritttempo vorankommt“, träumt der Aktivist Mike weiter.

„Die Verhinderung bzw. Verteuerung der Atommülltransporte ist ein erprobtes Mittel, um gegen die Atomlobby und die weitere Produktion von strahlenden Abfällen zu protestieren. Schließlich ist ein Weiterbetrieb der Atomanlagen und -kraftwerke nur möglich, wenn der alte Schrott Platz für neuen macht“, erläutert Stumpf die Logik der Behinderung der sogenannten „kleinen Castortransporte“. Somit würden klare Signale gesendet gegen den Ausstieg aus dem vermeintlichen Atomausstieg. Mit der Überflutung durch den Müll in den Atommüllproduktionsorten im Falle eines Nichtabtransportes würde eine Diskussion über die Nutzung von Atomenergie und über das Konzept zur Herstellung von regenerativer Energie erzwungen. „Geld scheint das einzige Argument zu sein, welches sie verstehen“, erläutert Karola Stumpf als eine der Sprecherinnen der Aktion abschließend, „also werden wir unsere Aktionen dahingehend auch immer wieder anpassen“.

-------------------

Pressemitteilung zur letzten Schienenaktion!

„An die Gleise! Auf die Nerven!“- das war heute am 15.12.2010 um 23.30 Uhr das erfolgreiche Motto der Aktionsgruppen in Thüringen, die sich in der Aktion „Wartegleis“ zusammengeschlossen haben, um gegen den Castortransport von radioaktivem Atommüll zu protestieren. Erklärtes Ziel der Aktion war mittels Zivilen Ungehorsam „an – aber nicht auf – die Strecke gehen und versuchen den Castor mindestens zum Abbremsen zu bewegen.“

Die 80 bis 100 Leute haben dieses Ziel heute mehr als erreicht, denn einer der Gruppen von 15 Aktivist_innen gelang es in Ingersleben (kurz vor Erfurt) den Castor für mehrere Minuten zum stehen zu bringen. Andere Gruppen brachten den Castor mindestens zum abbremsen. So tauchten immer wieder unabhängige Aktionsgruppen an den Schienen auf, um mittels Warnwesten, Fackeln und Lampen auf sich aufmerksam zu machen.

„Die Polizei war offensichtlich überfordert mit den vielen Menschen, die sich an mehreren Stellen vor und nach Erfurt an die Schiene begeben haben“, so eine Teilnehmerin der Aktion. Das zeige einmal mehr, dass sich mit kreativen und phantasievollen Übertretungen von Gesetzen auch Einfluss nehmen lässt auf eine desaströse Energiepolitik. „Entscheidend für den Erfolg der Aktion war, dass alle autonom, mobil und nicht nach einer Logik, die einzelne Menschen und Gruppen vorgeben, gehandelt haben“, resümiert ein anderer Aktivist.

Somit wurde durch die Aktion „Wartegleis“ der Castortransport behindert und damit ein klares Signal hinsichtlich der Diskussion um die Abschaffung der Atompolitik gesetzt.

Weitere Informationen sind zu finden unter:
wartegleis.blogsport.de – Webseite der Aktion
graustufen.blogsport.de – Webseite des Anti-Atom-Bündnis Erfurt
castorticker.de – Webseite über den Verlauf des Lubmin-Castors